Anke Roschka
„Runners“
Echtzeit 3D-Animation, VRML
© 2004

Die Nutzung des Internet ist heute Normalität. Es wird gesurft, es wird gechattet, und die e-Mail ist fast selbstverständlicher als der Gang zur Post. Das Netz bietet immense Möglichkeiten, weltumspannend und ohne großen Aufwand zu agieren. Cyberanarchisten und Hacker toben sich darin aus. Die Künstler der Industrienationen haben ebenfalls eine neue Welt entdeckt: VRML, Virtual Reality Modeling Language. Diese Sprache begleiten Begriffe wie Cyberspace und virtuelle Umgebungen.
Ich beschäftige mich ebenfalls mit VRML-Welten. Was macht den Reiz solcher Welten aus? Aus welcher geistigen Haltung werden sie geschaffen und wie werden sie wahrgenommen? Sind diese Welten eine neue Form der Erzählung — eine räumliche, am eigenen Körper erlebbare?
Aller Anfang der dreidimensionalen Abbilder sind die eigenen Wahrnehmungen und deren Verarbeitung. Wenn ich darüber nachdenke, was meine frühesten Wahrnehmungen waren und diese dann mit den jetzigen vergleiche, frage ich mich, inwieweit sich meine Vorstellungen vom Raum und vom Körper seit meiner Kindheit verändert haben. Wurden sie erst durch den Umgang mit den neuen Medien anders strukturiert? Ich möchte damalige und heutige Erlebnisse schildern, um mich so der Veränderung des Körper- und Raumerlebens anzunähern.

In den Geisteswissenschaften findet sich das Thema des erhofften oder beklagten Verlustes des Körpers. Dietmar Kamper konstatiert hier: „Das Zivilisationsparadigma: Abstraktion vom Körper kommt erst auf dem Feld der Neuen Medien zur vollen Entfaltung.“* Da ich mich in meiner künstlerischen Arbeit mit den neuen Medien, insbesondere mit virtuellen Welten beschäftige, scheint es mir nötig zu untersuchen, ob die Tendenz der Entkörperlichung hier weiter vorangetrieben wird oder nicht. Lässt sich die übriggebliebene, geistige Essenz auf Null und Eins reduzieren? Oder leben auch in digitalen Informationen unsere Phantasien und Vorstellungen fort? In diesem Zusammenhang werde ich die Möglichkeiten von VRML-Welten als neue Erzählform beleuchten. Besonderes Augenmerk lege ich auf Avatare, die verkörperlichten Identitäten des Internet. Diese laufen auf virtuellem Eis. Der Eislauf ist hier als Gang durch das Leben zu verstehen. Manche meistern ihren Lauf gut, andere bewegen sich unsicher. Die Runnners tragen autistische Züge. Doch nähert der User sich ihnen , hört er ihre Gedanken, ihre Wünsche und Hoffnungen.

* Kamper, Dietmar: Der Januskopf der Medien. Ästhetisierungen der Wirklichkeit, Entrüstung der Sinne. In: Rötzer, Florian Hg. —99



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