Holger Neumaier
Ex Voto
Installation
© 2003


215 Inkjet-Prints auf Gipskartonplatten
3m x 3m x 2m Kubus aus MDF-Platten
6 Ausstellungstafeln auf Kappa
2 Wochen Fußwallfahrt auf dem Camino de Santiago
Einzelausstellung anlässlich der Kunstpreiswettbewerbs der Kliniken Bergmannstrost Halle mit dem gemeinsamen Thema „Zuwendung“

Wunderheilung und Gerätemedizin-
Konfrontation mit verloren gegangenen Traditionen

Wallfahrt und Votivmalerei, katholische volksfrömmige Bräuche, sollten in eine moderne Klinik in einer protestantischen und weitgehend säkularisierten Gegend transferiert werden.

Votivkubus:
Ein großer neutral-weißer Kubus mit 2,50m Seitenlänge dient als Träger für die einzelnen Teile des Ausstellungsprojektes.
Der Würfel entspricht dem unaufdringlichen Erscheinungsbild der Klinik und stört doch das geschäftige Treiben des Krankenhauses
durch seine Positionierung mitten im zentralen Laufweg des Besucherbereichs.

Projekt:
Im ersten Teil des Projekts dient der Kubus als Träger für zahlreiche Reprints von Votivtafeln, die in Wallfahrtkirchen und Museen in Süddeutschland zu finden sind. Die überbordende Fülle und Farbigkeit des Würfels lässt die dargestellten Schicksale der Bildstifter erst auf den zweiten Blick erkennen.
In mehreren Vorträgen und museumspädagogisch aufbereiteten Schautafeln wurden die Patienten und das Personal über den Kanon des katholischen Glaubens an Wunderheilung informiert. Patronate bestimmter Heiliger für spezielle Krankheiten und der feste Ablauf der so genannten Promulgation, also der verbindliche Vertragscharakter zwischen hilfesuchendem Gläubigen und dem angerufenen Heiligen. Ein Teil dieses Abkommens ist es, daß nach erfolgter Heilung der Gläubige eine Wallfahrt zu der Kapelle unternimmt, die dem Heiligen gewidmeten ist. Der dritte Teil der Installation bestand aus einer Videoinstallation, die an dem nun von den Votivtafeln befreiten Kubus Platz fand.

Votivtafeln:
Die Votivtafeln stellen auf teils drastische Weise und in einer naiven Direktheit das Erleben von Krankheit und anderem menschlichen Unglück dar. Es wird auf Bildern öffentlich gemacht, was normalerweise als privat gilt und in Krankenzimmern versteckt wird. Die Stifter der Votivtafeln haben alle einen glücklichen Ausgang ihrer Krankheit erlebt. Sie schreiben ihre Heilung himmlischen Kräften zu, denen sie nun danken. Der Heilige Vater, Jesus, Maria und unzählige Heilige gehören zum himmlischen Personal in Sachen Wunderheilung und werden entsprechend gelobt.

Wallfahrt

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