Kerstin Höhne
„Über das Andere und das Anderssein“
Interaktive Computerinstallation
Single-Channel-Datenprojektion
Real-Time-3D, VRML
© 2004


Über das Andere und das Anderssein lässt sich rückblickend in der über fünfzigjährigen Geschichte der Popkultur feststellen, dass es prägend war für die Ästhetik und die Stile der Popkultur. Unter der Folie des Anderssein verbargen sich Abgrenzung und Distinktion, sowie die Zugehörigkeit bzw. Etablierung bestimmter Szenen und Subkulturen. Das Anderssein in der Popgeschichte war gleichzusetzen mit: quer zum Mainstream, quer zum gesellschaftlichem Wertekonsens. So bedeutet das Anderssein für die Helden in der History der Stile (latent) Kulturkampf um kulturelle Hegemonie und Protest gegen einen vorschnellen gesellschaftlichen Wertekonsens. Aber wie sieht es heute aus, das Anderssein? Wie ist es um das Anderssein und das Andere bestellt? Denn in den Medien, den Foren, in Gesprächen spricht man von einer Entwicklung der Spasskultur, die sich von der Protestkultur entfernt. Eins ist klar: heute glaubt niemand mehr wirklich an die Kraft von Pop wie er einst war. Es heißt, wir befinden uns heute im Zeitalter des Samplings und des Retros.
Retros. Und im Grunde genommen wird ein Retro vom nächsten gejagt. Modemäßig befinden wir uns momentan in den Achtzigern und kaum sind wir richtig angekommen, werden wir sofort in die Siebziger gebeamt. Leben nach dem Motto „state of the art“ oder aber um eben anders zu seinals die Anderen.

Was bedeutet es, dass sich heute Pop in der form des Recyclings zunehmend auf sich selbst bezieht? Vielleicht ist ja Popgeschichte schon längst geschrieben und alles, was gesagt werden kann, wurde schon längst gesagt? Jedoch, wie kommt es dabei immer zu neuen Trends? Wie wird Pop transportiert? Gibt es etwas, was dem Pop wesentlich zueigen wäre?
Diese Fragen sind Grundlage der Beschäftigung mit dem Thema Pop und das Anderssein. Die Poststrukturalisten Gilles Deleuze und Félix Guattari gaben mit dem Begriff des Rhizoms die Richtung für die Struktur und den Aufbau der Arbeit.
Das Rhizom ist in seiner Struktur so angelegt, dass jeder Knoten mit jedem anderen Knoten verbunden werden kann. Darüber hinaus gibt es in seiner Struktur auch die Möglichkeit widersprüchlicher Schlüsse (Paradoxa). Auch dient es als Beschreibungsmöglichkeit von (sozialen) Räumen.

Im Ergebnis der Transformation der Gedanken zum Anderssein und Pop ist eine 3D Welt entstanden. Die Entwicklung der Darstellungform der Welt „Über das Andere und das Anderssein...Fragen an Dr. Pop“ folgt in ihrer Umsetzung den Möglichkeiten eines Computerspiels. Die Arbeit ist ein interaktive dreidimensionale VRML-Welt, in der sich die Benutzer (selbst) der Thematik auf eine individuelle Art und Weise nähern können, bzw. nähern müssen. Innerhalb dieser Welt wurden ausgewählte Zitate gesetzt und audiovisuell ästhetisch formuliert. Der User des Raums agiert interaktiv und individuell, vergleichbar mit einem virtuellen Spaziergang und kann sich somit den oben genannten Fragen und antworten des Themas selbst nähern und in seiner eigenen Wahrnehmung eine Art „mentale“ Landkarte selbst zusammenbasteln.
Die Welt ist nicht nur auf akustischer, sondern auch auf visueller Ebene eine riesige Collage, die mit Pop durch Pop über Pop in Echtzeit zu dem User spricht.
„...Vergessen statt Erinnerung, Entwicklung statt Fortschritt zur Erinnerung, Nomadentum statt Sesshaftigkeit, Karte statt Kopie. RHIZOMATIK = POP-ANALYSE,...“ (Deleuze und Guattari, Tausend Plateaus, S.36, Berlin 1992).


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