Maike Tiedemann
Ponyhof der Popstars – Über die Abwesenheit im Leben
Avatar-Puppen-Projekt
© 2002


Bei dem Diplomprojekt „Ponyhof der Popstars“ geht es um die Gestaltung von Charakteren. Eine Körperlichkeit sollte gefunden werden, die sowohl als Avatar, als auch als Handpuppe funktioniert. Die digitale Puppe sollte genauso wie die Stoffpuppe im Reiz und Zauber des eigenen Mediums aufgehen. Das Verhältnis zu unseren eigenen Körpern und unsere Idealvorstellungen von Körperlichkeit wurden hinterfragt.

Der Ponyhof ist als Chatplattform gedacht, den man in Gestalt einer angebotenen Figur betreten kann. Die etwas abgelebten Körper, denen man hier begegnet, stehen mit ihrem morbiden Sexappeal in Spannung zu der ansonsten so perfekten und idealisierten Digitalwelt. Mit der Dienstleistung „rent my body“ wird dem User ermöglicht, einen Körper zu mieten, mit dem er dann den Chat betreten kann. Dazu präsentieren sich die Avatare, leicht bekleidet, aufgereiht wie Galopprennpferde in all ihrer Pracht und preisen ihre Leiber an. Ihre Namen entstammen der Pferdewelt und auch die Angaben über die Eltern sind authentisch. Der Rennstallkontext macht aus den Körpern käufliche Hüllen. Die Damen haben keine Geschichte, keine menschlichen Namen, keine weiteren Anhaltspunkte, sie sind Oberfläche. Rent me, use me, treat me as you want.

Eine weitere Möglichkeit den Ponyhof zu betreten, ist der Popstarmodus. Die Ponyhofpopstars sind im Grunde lächerlich und sind mit ihrem plumpen Piktogrammkörper echte Antihelden.

Der dritte Weg auf den Ponyhof zu gelangen ist das Tool „build you own“. Dort kann man sich aus den vorgefundenen Körpern einen eigenen zusammen bauen.

Der Ponyhof selber ist ein 2D-Chat, der einer verschiebbaren Theaterkulisse gleicht. Hier kann man mit seiner Figur von links nach rechts schlendern und sich mit den anderen Usern unterhalten.

Ist man von der Ausstrahlung seines Avatars vollends begeistert, kann man ihn dann als Puppe bestellen. Eine Handpuppe ist natürlich ein anderes Medium als ein Avatar. Allein dadurch, dass man sie greifen kann, kann man sie auch begreifen. Sie kann überall hin mitgenommen werden und hat dadurch immer wieder einen neuen Kontext. Die Emanzipation vom Ponyhof.


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